Früherkennung von Nierenerkrankungen

Nierensonografiescreening

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Liebe Eltern,

Vorsorgeuntersuchungen für Kinder sind wichtig, denn in keinem anderen Lebensabschnitt macht der Mensch so gewaltige Entwicklungsschritte wie in den ersten Jahren. Ob die Entwicklung eines Kindes normal ­verläuft, kann nur ein Kinder- und Jugendarzt beurteilen.




Vorsorge der gesetzlichen Krankenkasse

Für Kinder und Jugendliche sieht der Gesetzgeber ­daher einige wichtige Vorsorgeuntersuchungen vor, die unbedingt wahrgenommen werden sollten:

  • bis zum fünften Lebensjahr zehn Untersuchungen
    (U1, U2, U3, U4, U5, U6, U7, U7a, U8, U9)
  • bei Eintritt ins Jugendalter eine Untersuchung (J1)


Diese Leistungen der gesetzlichen Krankenkasse stellen eine Basisversorgung dar. Gerade Nieren- und Harnwegsanomalien jedoch lassen sich durch diese Vorsorgeuntersuchungen – so zeigten Studien – nur unzureichend feststellen.

 

Sie möchten die Sicherheit haben, dass Ihr Kind ­gesund groß wird. Deshalb bieten wir Ihnen ein ­zusätzliches Nierensonografiescreening zum Ausschluss angeborener Fehlbildungen der Nieren und ableitenden Harnwege an.


Nierensonografiescreening – warum?

Im Rahmen der üblichen Früherkennungs­untersuchungen werden die Nieren nur bei ­Komplikationen z. B. mittels Ultraschall untersucht. Fehlbildungen der Nieren und Harnwege, die ­anfangs keine Beschwerden verursachen, bleiben daher meist lange unentdeckt. Dabei sind ­angeborene ­Fehlbildungen im Bereich der Nieren und der Harn­blase relativ häufig: 1-3% weisen eine Fehlbildung auf.


Welche Folgen haben Fehlbildungen?

Anomalien im Bereich der Nieren und Harnwege bringen viele Probleme mit sich. Durch Fehl­bildungen werden u. a. komplizierte Harnwegsinfekte ­begünstigt Gerade die unreifen Säuglingsnieren können durch ­solche Infekte besonders geschädigt werden. ­Zudem neigen Harnwegsinfektionen dazu, chronisch zu ­werden. In diesem Fall können sie dann auch zu ­Gewebeschädigungen und Narbenbildung führen, woraus sich weitere mögliche Komplikationen wie Bluthochdruck (Hypertonie) oder eine chronische ­Nierenschwäche (Niereninsuffizienz) ergeben können.


Was können Sie tun?

Durch den Fortschritt in der Medizin besteht ­heute die Möglichkeit, schon in den ersten Lebens­tagen oder -wochen mit einer für das Kind nicht belastenden Ultraschalluntersuchung eventuelle ­Auffälligkeiten zu erfassen. Eine Ultraschallunter­suchung (Nieren­sonografie) ermöglicht einen guten Einblick in den Körper – und das ohne Schmerzen oder Strahlenbelastung.


Was bringt eine frühzeitige Erkennung von Nieren- und Harnwegsanomalien?

Sollten bei der Nierensonografie eventuelle ­Anomalien festgestellt worden sein, können vorbeugende ­Maßnahmen ergriffen werden, um ­komplizierte ­Harnwegsinfekte und deren mögliche Folgen ­abzuwenden. Die Verhinderung von Nierennarben ­beispielsweise kann in vielen Fällen die Vermeidung ­einer lebenslangen Bluthochdruckbehandlung bedeuten.

Auch operative Korrekturen sind umso erfolgreicher, je früher die Veränderungen festgestellt wurden. Selbst bei funktionell stark geschädigten Nieren eröffnet eine frühzeitig einsetzende, spezielle kindernephrologische Therapie neue Perspektiven.


Zusätzlich: Screening der Nebennieren

Gleichzeitig mit der Untersuchung von Nieren und Harnblase sollte auch ein Check-up der Neben­nieren erfolgen. Die Nebennieren sind Hormon­drüsen, die sich am oberen Ende der Nieren ­befinden. Sie ­bestehen aus dem Nebennierenmark und der ­Nebennierenrinde. Im Mark der Nebennieren ­werden die Stresshormone Adrenalin und ­Noradrenalin ­gebildet. Die Nebennierenrinde ­produziert ­Glukokortikoide, Mineralokortikoide und Sexual­hormone. Durch die Vielzahl dieser in der Nebenniere gebildeten Hormone kann es bei Störungen durch ein Hormonungleichgewicht zu schwerwiegenden Folgen für den Stoffwechsel und den Salz- bzw. Wasser­haushalt kommen.

Eine angeborene Vergrößerung der Nebennieren­rinde, die sogenannte Nebennierenrindenhyperplasie ­(adrenogenitales Syndrom, AGS), führt zudem bei Mädchen und Jungen unbehandelt zu sexuellen ­Entwicklungsstörungen (Vermännlichung, Fruchtbarkeitsstörungen, verfrühte Pubertät etc.) und im schlimmsten Fall zum gefährlichen Salzverlustsyndrom.
Durch eine rechtzeitige Diagnose und Medikamentengabe (z. B. Hydrocortison) kann das AGS jedoch relativ gut behandelt werden. Eine Früherkennung durch die Nierensonografie kann auch hier einen wichtigen Beitrag zum Therapieerfolg liefern.


Kosten

Das Nierensonografiescreening ist nicht Bestandteil des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenkassen. Wir berechnen die Untersuchung daher als Selbstzahler­leistung nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ).

Früherkennung ist wichtig –
für einen guten und sicheren Start ins Leben.

 

 


letzte Aktualisierung am 14.09.2011